
Zwei Teilnehmer der Gaza-Hilfe-Flotilla in israelischer Haft seit sechs Tagen im Hungerstreik

Von den rund 1.000 Teilnehmern der Gaza-Hilfe-Flotilla Global Sumud befinden sich zwei Friedensaktivisten immer noch in israelischer Haft. Am Dienstag verkündete ein israelisches Gericht, dass die Haftzeit erweitert werde. Demnach müssen der spanische Staatsbürger Saif Abu Keshek und der Brasilianer Thiago Avila bis zum 10. Mai in der israelischen Justizvollzugsanstalt verbleiben. Die Inhaftierung der beiden Flotilla-Teilnehmer sollte ursprünglich am Mittwoch enden.
Am 30. April wurde die diesjährige Global Sumud Flotilla von israelischen Behörden in internationalen Gewässern gestoppt. Dabei wurden rund 21 Schiffe von der israelischen Marine geentert. Berichten zufolge wurden die Boote zum Teil zerstört, zum Teil manövrierunfähig gemacht. Von den bis zu dem Zeitpunkt rund 400 im Mittelmeer vereinten Teilnehmern der Flotilla – rund 1.000 Teilnehmer sollen insgesamt schon unterwegs gewesen, aber noch nicht mit den anderen zusammengekommen sein – wurden 175 Teilnehmer festgenommen und auf die griechische Insel Kreta verbracht. Von Kreta seien viele Teilnehmer inzwischen wieder auf dem Weg in ihre jeweiligen Heimatländer. Alle Teilnehmer sollen daraufhin die Fahrt nach Gaza abgebrochen haben, die am 12. April von Barcelona aus gestartet war, um die israelische Blockade für humanitäre Hilfe zu durchbrechen.

Laut israelischen Gerichtsunterlagen werden den beiden Friedensaktivisten Abu Keshek und Thiago Avila seitens der israelischen Staatsanwaltschaft folgende Straftaten zur Last gelegt: Beihilfe gegenüber dem Feind, Kontakt zu einem ausländischen Agenten, Kontakt zu einer terroristischen Organisation, verbotene Aktivitäten mit terroristischem Hintergrund sowie Bereitstellung von Mitteln für eine terroristische Organisation. Das israelische Außenministerium erklärte, Abu Keshek und Avila stünden in Verbindung mit der palästinensischen militanten Gruppe Hamas, und die Flottille sei "eine weitere Provokation, die darauf abzielt, die Aufmerksamkeit von der Weigerung der Hamas abzulenken, ihre Waffen abzugeben".
Ein israelischer Sprecher erklärte, dass die beiden Inhaftierten keinesfalls gefoltert worden seien. Stattdessen hätten Keshek und Avila israelische Mitarbeiter mit körperlicher Gewalt angegriffen: "Nach gewaltsamen körperlichen Angriffen von Saif Abu Keshek und Thiago Avila auf israelische Mitarbeiter sahen sich diese dazu gezwungen einzugreifen, um diese Handlungen zu unterbinden. Alle ergriffenen Maßnahmen standen im Einklang mit dem Gesetz", so der Sprecher.
Am Dienstag berichtete Reuters über die Begründung der Haftverlängerung. Demnach habe der zuständige Richter Yaniv Ben-Haroush nach der Anhörung erklärt: "Ich bin davon überzeugt, dass ein begründeter Verdacht vorliegt." Die Anwälte der Menschenrechtsorganisation Adalah hatten zuvor vorgetragen, dass die Vorwürfe unbegründet seien und es keine rechtlichen Gründe für die fortgesetzte Inhaftierung der beiden Männer gebe. Zudem seien bis dato keine formellen Anklagen von Israel erhoben worden. Die Inhaftierung diene lediglich der Fortsetzung der Verhöre.
Adalah kündigte Berufung gegen den Gerichtsbeschluss an und forderte die sofortige und bedingungslose Freilassung von Abu Keshek und Avila. Die Organisation erklärte zudem, die Männer seien in der Haft gefoltert worden – eine Anschuldigung, die von Israel zurückgewiesen wurde.
Gegenüber Reuters erklärte Abu Kesheks Ehefrau, Sally Issa, am Dienstag, sie habe seit seiner Inhaftierung nicht direkt mit ihrem Mann sprechen dürfen. Von den Anwälten habe sie erfahren, dass ihr Ehemann sich im israelischen Gefängnis im Hungerstreik befinde: "Man hat uns gesagt, dass es ihm gut geht. Er befindet sich im Hungerstreik" ... "Er wurde auf dem Boot gefoltert, als es von den Israelis angegriffen wurde." Auch Avilas Ehefrau, Lara Souza, sagte, ihr Mann befinde sich im sechsten Tag eines Hungerstreiks und werde von Ärzten überwacht.
Der spanische Außenminister José Manuel Albares forderte die sofortige Freilassung von Abu Keshek. Es gebe keine Beweise für eine Verbindung zur Hamas. Laut Albares ist die Inhaftierung der Aktivisten rechtswidrig, da Israel in internationalen Gewässern keine Zuständigkeit habe. Diese habe er seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar persönlich mitgeteilt. Auch der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva forderte die Freilassung von Abu Keshek und Avila und bezeichnete die Inhaftierung als "eine ungerechtfertigte Maßnahme der israelischen Regierung."
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